Die zweite Dialogrunde: Konzepte für eine starke Pflege

Der Regionaldialog „Pflege stärken“ begleitet seit dem 13. September 2016 wieder Praktikerinnen und Praktiker der Pflege bei der Umsetzung der neuen Pflegestärkungsgesetze. In der zweiten Dialogrunde setzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren Austausch vom Frühjahr fort.

Die Veranstaltungen der zweiten Dialogrunde verfolgen drei Ziele:

  • Das BMG liefert Antworten auf die Fragen der ersten Dialogrunde und berichtet, wie die Anregungen aus der ersten Dialogrunde durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) verwertet werden.
  • Informationen zum neuen Begutachtungsinstrument und dessen Chancen bei der Übersetzung in den Pflegealltag wird viel Raum gegeben. Hierzu stehen in jeder Veranstaltung Expertinnen und Experten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) und des BMG zur Verfügung. Sie beantworten auch konkrete Einzelfragen an moderierten Thementischen.
  • Alle Handelnden sprechen und diskutieren gemeinsam über konkrete Konzepte für Anbieter von stationären, ambulanten und teilstationären Pflegedienstleistungen sowie für Anbieter von Beratungsleistungen.

Die Veranstaltungen der zweiten Dialogrunde tragen, so die Rückmeldung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, in einer guten und konstruktiven Atmosphäre viel zur inhaltlichen Klärung der anstehenden Veränderungen bei.

Besonders lebendig werden die Diskussionen, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkrete konzeptionelle Ansätze für die pflegefachliche Ausgestaltung der Veränderungen in ihrem persönlichen Pflegealltag entwickeln. Hier wird eines immer wieder deutlich: Neue Konzepte gelingen nur, wenn die Akteure miteinander sprechen und sich untereinander vernetzen. So setzen zum Beispiel gute Beratungskonzepte die Vernetzung im Quartier voraus. Auch konkurrierende Anbieter können von einer Zusammenarbeit profitieren. Ähnlich vernetzt müssen auch Anbieter von stationären Einrichtungen vorgehen und sich auch für andere Angebote öffnen. Hier bietet sich ein großer Gestaltungsspielraum, um den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff umzusetzen, bei dem vor allem Betreuung im Mittelpunkt steht. Diskutiert wurden beispielsweise Konzepte für geschützte Demenz-Bereiche und eine bessere Einbindung Angehöriger in das stationäre Leben, damit auch diese dort „zu Hause ankommen“ können. Auch für kritische Stimmen bietet sich die Möglichkeit des direkten Austausches mit dem BMG: Wie steht der Gesetzgeber zu stationären Angeboten und welche Planbarkeit bleibt den Einrichtungen angesichts der großen Veränderungen?

Teilstationäre Anbieter sprechen über ihre Herausforderungen wie zum Beispiel die pauschalen Abrechnungen für Fahrdienste, die der Wirtschaftlichkeit der Angebote im Wege stehen. Auch hier ist Raum für kritische aber auch konstruktive Diskussionen. Es geht um mögliche Zusammenarbeit mit Fahrdiensten, Wohnungsbaugesellschaften, Krankenhäusern, Ärzten und Apotheken, aber auch mit weiteren Handelnden wie der Behindertenhilfe, um jungen pflegebedürftigen Menschen mit Behinderung ein ihrem Alter entsprechendes Umfeld anbieten zu können.

Anbieter von ambulanten Angeboten sehen die Flexibilisierung der Leistungen und des Leistungsbudgets im Zentrum moderner Konzepte, um die jeweiligen Fähigkeiten ihrer  Pflegebedürftigen individuell zu fördern. Bei der Vielfalt der Angebote stellt es eine Herausforderung dar, diese für die Klienten übersichtlich und verständlich zu halten und darzustellen. Auch hier gilt es, die Schnittstellen gut zu gestalten – zu Kassen, Hausärzten und vor allem zur Beratung. Als mögliches Konzept wird hier zum Beispiel die „Beratungsschwester“ als Bindeglied zwischen Arzt und Pflege erörtert.

An allen Thementischen wird die Sorge geäußert, dass erst die noch ausstehende Personalbemessung Planungsunsicherheit mit sich bringen wird. Auch im Bereich des Pflegpersonals gilt es zu vernetzen, mit Schulen, Ausbildungsstätten und anderen Schnittstellen, an denen man junge Menschen erreichen und für Pflegeberufe gewinnen kann.

Die Vertreterinnen und Vertreter des BMG nehmen wieder eine Vielzahl von Fragestellungen und Anregungen mit. Regina Kraushaar, Leiterin der Abteilung Pflegesicherung und Prävention, bedankt sich für die offenen und konstruktiven Diskussionen in einer Zeit, in der alle Akteure der Pflege sehr gefordert sind. „Wir muten Ihnen derzeit viel zu“, so Kraushaar. Aber es habe sich wieder gezeigt, wie wichtig und fruchtbar der direkte und offene Austausch zwischen Verwaltung und Praxis sei, den die Regionaldialoge bieten. Besonders freue sie die Bereitschaft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich bei der Umsetzung der Pflegestärkungsgesetze auf eine gestaltende Rolle einzulassen. “Nur so kann unter den neuen Rahmenbedingungen gelebte, gute Pflege entstehen.“